Manifest

Die Auseinandersetzung mit dem Konzept der Zeit und ihren beiden Polen Langsam- bzw. Schnelligkeit und deren Bedeutung für den Prozess des Bauens in der Architektur-Praxis, führte uns dazu, mit verschiedenen Formen der Pflegepraxis und Pflege-Strukturen zu experimentieren und sie zu erforschen. Die Pflege der abk-Rosen, diente uns dabei als realer Rahmen, unsere theoretische Forschung in einen praktischen Prozess zu übertragen.

Die Rosen leben an verschiedenen Orten auf dem Abk-Campus. Sie wurden von Enno Lehmann, dem Künstlerisch-technischer Lehrer in der Werkstatt für Maltechniken in der Fachgruppe Kunst als Akt der Verschönerung und lebendiges Kunstwerk angepflanzt und gepflegt. In den letzten Jahren haben sich einige studentische Kunst- und Forschungsprojekte rund um die Rosen entwickelt. Somit haben die Rosen zu einem gemeinschaftlichen Wirken beigetragen. Diesen Sommer müssen einige Rosen und „Grünflächen“ dem Neubau eines Besucherzentrums für die Weißenhofsiedlung und seiner Feuerwehrzufahrt weichen. Im Laufe der nächsten Jahre sollen weitere Grünflächen auf dem Campus solchen Maßnahmen „weichen“. Wir sehen den Akt der Care-Arbeit nicht nur als reine „Pflege“, sondern auch als Schutz. Denn Care-Arbeit macht sichtbar, dass etwas Gewertschätzt wird.

Dabei entstand eine interaktive, performative und interspezifische Care-Intervention. Sie findet sowohl in einem physischen Raum (abk-Gartenzwerge-Garten) als auch in einem digitalen Tagebuch – www.diaryofcare.de – statt.

Mit dem physischen Raum eröffnen wir Möglichkeiten für interterrestrischen Austausch, Experiment und Inspiration und versuchen das Denken über Abhängigkeiten neu zu gestalten. Die Intervention im Garten steht allen offen. Du bist eingeladen, den Ort zu besuchen, zu verweilen, mitzugestalten und mitzupflegen.

Das digitale Tagebuch ist ein kuratiertes Magazin – jede:r kann Beiträge einreichen. Das können sein: Dokumentationen der eigenen Care-Arbeit auf dem abk-Campus, Gedanken, Skizzen, Ideen und Inspirationen zum Thema in Form von Bildern, Videos, Texten usw..

Für unsere Pflegepraxis stellen wir uns nicht die Frage, wer was braucht. Wir respektieren vielmehr die Existenz und Eigenzeit jeder Entität und versuchen, sie vor willkürlicher Gewalt zu schützen. Wir (alles irdische Leben) beeinflussen uns gegenseitig. Tun wir dies auf eine bewusste und langsame Weise!